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· Maximilian Schütz

Diktat und Reinschrift in der Arztpraxis mit KI

Diktat und Reinschrift mit KI im Praxisalltag: wie aus Sprache ein Arztbriefentwurf wird, welche Fehler Sie prüfen sollten und wie die Freigabe abläuft.

Spracherkennung wandelt ein Diktat in Text um. Ein KI-Modell macht daraus eine Reinschrift: mit Satzzeichen, ohne Füllwörter und in der Gliederung einer Vorlage. Der Text bleibt ein Entwurf, bis ein Arzt ihn geprüft und freigegeben hat.

Diktat und Dokumentation sind eines von mehreren Einsatzfeldern, die die Übersicht KI in der Arztpraxis beschreibt.

Diktat, Gesprächsaufnahme und Reinschrift

Beim Diktat sprechen Sie den Inhalt selbst ein. Sie bestimmen, welche Angaben in den Text gehören und wie ausführlich Sie formulieren. Das passt etwa für eine Konsultationsnotiz oder den Entwurf eines Arztbriefs.

Bei der Gesprächsaufnahme sprechen Arzt und Patient miteinander. Die Software verschriftlicht das Gespräch und fasst es zusammen. Vor der Aufnahme klären Sie die Einwilligung des Patienten.

Die Reinschrift ist der fertig formatierte Text. Ohne Spracherkennung tippt jemand im Team das Diktat ab. Mit KI liegt ein Entwurf vor, sobald das Diktat verarbeitet ist. Die Prüfung dieses Entwurfs bleibt Arbeit für die Praxis.

Welche Form passt, hängt vom Anlass ab. Ein Diktat nach der Sprechstunde enthält nur, was Sie bewusst formulieren. Eine Gesprächsaufnahme erfasst mehr Einzelheiten, braucht aber die Zustimmung des Patienten und eine sorgfältigere Prüfung der Zusammenfassung. Legen Sie für Ihre Praxis fest, wann welche Form gilt.

Zwei Verarbeitungsschritte, zwei Fehlerquellen

Im ersten Schritt erzeugt die Spracherkennung den Wortlaut. Hier entstehen Erkennungsfehler: ein ähnlich klingendes Medikament, eine falsch verstandene Zahl, ein überhörtes „kein“.

Im zweiten Schritt formt ein Sprachmodell den Wortlaut in eine Reinschrift um. KI-Modelle erzeugen Text nach Wahrscheinlichkeiten. Ein Entwurf kann deshalb Angaben enthalten, die im Diktat fehlen, oder einen Fachbegriff falsch wiedergeben.

Beide Fehlerarten sehen im fertigen Text gleich aus. Ein sprachlich sauberer Satz kann einen Erkennungsfehler enthalten. Lesen Sie den Entwurf deshalb mit dem Wissen, was Sie diktiert haben.

Vorlagen geben die Struktur vor

Eine Vorlage legt fest, welche Abschnitte der Entwurf enthält. Klarvus bringt Vorlagen für Arztbrief, Konsultation und Freitext mit. Eigene Vorlagen legen Sie selbst an. Lumen kann Vorlagen anlegen oder bestehende anpassen, wenn Sie die gewünschte Änderung im Chat beschreiben.

Übertragen Sie den Aufbau Ihrer bisherigen Arztbriefe in die Vorlage, etwa mit Abschnitten für Anamnese, Befund und Procedere. Empfänger finden die Angaben dann an der gewohnten Stelle.

Die automatische Formatierung setzt Satzzeichen und entfernt Füllwörter. Für Zusammenfassungen arbeitet Klarvus im Sekretärin-Modus und gibt wieder, was gesagt wurde. Diagnosen oder Therapien schlägt Klarvus nicht vor; das medizinische Urteil bleibt bei Ihnen.

Fachwörter hinterlegen

Eigene Fachwörter hinterlegen Sie vorab. Sie wirken in der Spracherkennung und in der Zusammenfassung. Das betrifft vor allem Medikamente, Wirkstoffe und Begriffe Ihres Fachgebiets.

Ersetzen Sie im diktierten Text ein falsch erkanntes Wort durch das richtige, übernimmt Klarvus das Wortpaar in das Wörterbuch Ihrer Praxis. Das geschieht nur beim Austausch eines einzelnen Wortes gegen ein ähnlich geschriebenes. Kurze Wörter, reine Änderungen der Groß- und Kleinschreibung und umformulierte Sätze übernimmt Klarvus nicht.

Den Entwurf prüfen

Kontrollieren Sie insbesondere Medikamentennamen, Dosierungen und Zahlen. Prüfen Sie Verneinungen. Bei Gesprächsaufnahmen gehört die Zuordnung der Aussagen zu Arzt oder Patient dazu.

Korrigieren Sie den Text vor der Freigabe. Erst die Freigabe macht aus dem Entwurf einen Inhalt für die Akte. Klarvus kennzeichnet KI-Vorschläge im Arbeitsablauf und protokolliert, wer wann was freigegeben hat.

Die Übergabe an die Patientenakte hängt vom angebundenen System ab. Mit Doc Cirrus inSuite legt Klarvus freigegebene Inhalte in die Akte. Mit T2med exportieren Sie den freigegebenen Text als PDF und legen ihn über Klarvus ab, das Sie dafür aus der richtigen Patientenakte in T2med öffnen. Das Diktat arbeitet auch ohne Anbindung. Die Seite PVS-Anbindung beschreibt die verfügbaren Verbindungen.

Patientengespräche aufnehmen

Stimmt der Patient zu, bewahrt Klarvus die Einwilligung als separates, verschlüsseltes Audio auf. Das Gespräch selbst wird während der Aufnahme transkribiert und zusammengefasst. Nach der Freigabe verwirft Klarvus den Audio-Puffer. Übrig bleibt der Text.

Planen Sie einen Ablauf für Patienten ein, die keine Aufnahme wünschen. Sie verfassen die Dokumentation dann selbst oder diktieren sie nach dem Gespräch. Welche Informationen und Vereinbarungen Ihr konkreter Einsatz erfordert, klären Sie vor der Einführung.

Spracherkennung im eigenen Alltag testen

Testen Sie mit erfundenen Beispielen aus Ihrem Fachgebiet. Nehmen Sie ähnlich klingende Begriffe, Verneinungen und Zahlen auf. Prüfen Sie, ob die Vorlage die benötigten Abschnitte enthält und wie viel Korrektur der Entwurf verlangt.

Die Umgebung beeinflusst die Erkennung. Abstand zum Mikrofon, Nebengeräusche und wechselnde Sprecher machen im Sprechzimmer einen Unterschied. Vergleichen Sie den gesamten Aufwand einschließlich Nachbearbeitung mit Ihrer bisherigen Dokumentation.

Datenwege beim Diktat

Beim Diktat entstehen Audio und Text. Prüfen Sie, wo die Spracherkennung läuft und wo die Reinschrift entsteht. Klären Sie auch, ob Audio gespeichert wird und wer auf fertige Texte zugreifen kann.

On-Premise: Spracherkennung und KI-Verarbeitung laufen auf einem Server in Ihrer Praxis. Anwendung und Daten liegen ebenfalls dort.

Hybrid: Anwendung, Patientendaten und Spracherkennung bleiben auf dem Server in der Praxis. Das Sprachmodell für die Reinschrift läuft bei IONOS AI Model Hub und STACKIT AI Model Serving in Deutschland, verschlüsselt übertragen und nicht pseudonymisiert. Laut Anbieterangaben speichern die Anbieter die Eingaben nicht dauerhaft.

Cloud: Die KI-Verarbeitung läuft wie im Hybrid-Modell. Zusätzlich laufen Anwendung und Daten in einem Rechenzentrum in Deutschland.

Lassen Sie sich für das gewählte Modell zeigen, an welcher Stelle Spracherkennung und Sprachmodell rechnen. Die Seite Betriebsmodelle beschreibt die Unterschiede. Welche Datenwege Sie vor der Auswahl prüfen sollten, erklärt der Beitrag Lokale KI in der Arztpraxis.

Für Aufnahmen und Transkripte gelten die Anforderungen an den Umgang mit Patientendaten. Für die Verarbeitung von Gesundheitsdaten in der Gesundheitsversorgung kommt Art. 9 Abs. 2 lit. h in Verbindung mit Abs. 3 DSGVO und § 22 Abs. 1 Nr. 1 lit. b BDSG in Betracht. Die Rechtsgrundlage bestimmt Ihre Praxis als Verantwortliche. Funktionen und Vorlagen im Detail beschreibt die Seite Diktat und Gesprächsaufnahme.

Bringen Sie zum Erstgespräch ein typisches Diktat aus Ihrem Alltag als erfundenes Beispiel mit. Daran lässt sich die passende Vorlage konkret besprechen.

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